Nun sind die Paralympischen Spiele von Peking Geschichte. Das Ereignis, dem ich 2 Jahre entgegen fieberte, für das ich alles mir mögliche gegeben habe. Perfekt vorbereitet wollte ich sein, mit dem besten Material und mit der besten körperlichen Verfassung. Ich wollte einen weiteren großen Erfolg, ja vielleicht den größten Erfolg meiner Karriere erringen.
Große Hoffnungen und Erwartungen werden aber manchmal auch enttäuscht. So war der Moment, an dem ich die Ziellinie überquert und das Straßenrennen beendet hatte eine sehr schmerzende Enttäuschung. Die Emotionen brachen heraus.
Aus sportlicher Sicht verlief die heiße Phase der Vorbereitung eher unglücklich. Ausgerechnet in der Zeit, in der die hohen Intensitäten ins Training eingebaut werden müssen, bekam ich Fieber und musste mit dem Training aussetzen.
Das trübte natürlich meine Hoffnungen schon im Vorfeld der Paralympics. Doch trotz allem begannen die Spiele sehr verheißungsvoll für mich mit dem Zeitfahren - meiner schwächeren Disziplin, in der ich keine besonderen Erwartungen hatte und die ich nicht einmal gehabt hätte, wenn ich in Top-Form gewesen wäre. Also ging ich an dieses Rennen dann auch ziemlich locker heran.
Es sollte einfach ein Formtest für das Straßenrennen werden, schließlich wusste ich nicht wo ich nach meiner Krankheit leistungsmäßig stehe. Die Startreihenfolge war in umgekehrter Reihenfolge der Platzierung des letzten WM-Einzelzeitfahrens, so dass die schnellsten als letztes auf die Strecke geschickt werden. Bei der WM in Bordeaux war ich Siebter, hatte also 6 Athleten hinter mir, gestartet wurde im Abstand von einer Minute. Ich ging auf die Strecke und wollte mir meine Kräfte auf diesem sehr anspruchsvollen Course unbedingt gut einteilen. Der steilste Streckenabschnitt erwartete mich gleich nach 2 km, ein etwa 800 m langer Anstieg mit 10% Steigung im Maximum. An dieser Stelle konnte man sein Pulver schon verschießen, um dann auf den restlichen 9 km viel Zeit zu verlieren.
So ging ich dann auf die Strecke und versuchte meine Trittfrequenz immer konstant hoch zu halten um Kraft zu sparen. Angefeuert von dem Begleitfahrzeug kam ich ganz gut über den Anstieg. Mir fehlte aber irgendwie der Punsch, um mit richtig Geschwindigkeit über die Kuppe zu fahren und in der bergab Passage so schnell wie möglich hohes Tempo zu erreichen. Das war, auf diesem welligen Kurs auf dem es praktisch nie flach war, extrem wichtig, um mit viel Schwung in die nächste Steigung hinein zukommen.
Der letzte Streckenabschnitt war dann noch mal gespickt mit einigen engen Kurven in schnellen bergab Passagen. Also höchster Anspruch an die Streckenkenntnisse und an die technischen Fähigkeiten mit dem Handbike. So richtig gut bin auch durch diesen Teil der Strecke nicht gekommen; in einer der Kurven habe ich die Ideallinie nicht getroffen und musste abbremsen, umso überraschter war ich dann im Ziel meinen Namen ganz oben auf der Leinwand zu sehen. Ich hatte tatsächlich die Bestzeit. Ich hatte dann sogar für ein paar Minuten Hoffnungen auf den Gewinn einer Medaille im Zeitfahren. Doch am Ende war ich dann auf Platz 4 gelandet. Womit ich sehr zufrieden war.
Schließlich stimmte mich dieses Ergebnis sehr hoffnungsvoll auf das noch folgende Straßenrennen. Ich war zum ersten Mal seit meiner verkorksten Vorbereitung wieder zuversichtlich eine Medaille gewinnen zu können.
Nach einem Tag Pause war es dann so weit: es sollte die gleiche Strecke wie im Zeitfahren bewältigt werden - mit dem Unterschied, dass sie vier mal umrundet werden muss. So stand ich am Start und war bereit für das Straßenrennen - dachte ich zumindest!
Doch am ersten Anstieg wurde ich dann bereits eines besseren belehrt. Die plötzliche Tempoverschärfung konnte ich nicht mitgehen. Mir fehlte einfach die Spritzigkeit um die Rhythmuswechsel eines Paralympischen Straßenrennen mit zugehen. Ich hatte an der Kuppe schon einige Meter Rückstand auf die Führungsgruppe. Die konnte ich zwar mit extrem hohen Aufwand und Willensstärke wieder schließen. Doch an der langen Steigung verlor ich erneut den Anschluss. Konnte mich wiederum zurück kämpfen. War aber dann buchstäblich am Ende meiner körperlichen Kräfte. Und ich wusste, dass es nichts werden würde mit dem Podiumsplatz in diesem Rennen. Am Ende war ich dann im Ziel auf Platz 12 gelandet und maßlos enttäuscht über dieses Abschneiden. Mit der gestiegenen Hoffnung nach dem Zeitfahren stieg auch die Enttäuschung über dieses Ergebnis. Ein kurzes Hoch vor dem tiefen Fall!
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